Ortsgemeinde Kaltenholzhausen
Kaltenholzhausen denkt seinen Dorfmittelpunkt neu
Wie wird aus einem Dorfgemeinschaftshaus, einem Spielplatz und einem Multicourt ein Ort, an
dem Menschen tatsächlich zusammenkommen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die
Ortsgemeinde Kaltenholzhausen gemeinsam mit der Universität Koblenz.
Mit der Weiterentwicklung des Dorfgemeinschaftshauses, dem Abenteuer-Spielplatz und dem
geplanten Multicourt entsteht in Kaltenholzhausen derzeit rund um das DGH ein neuer
Dorfmittelpunkt. Doch die Gemeinde möchte nicht nur in Gebäude und Freizeitangebote investieren,
sondern auch verstehen, was es braucht, damit diese Angebote später tatsächlich genutzt und mit
Leben gefüllt werden.
Dabei soll das Forschungsprojekt ‚DiTKo – Inklusiver Digital Twin für kleine Kommunen‘ unter Leitung
von Dr. Vera Spitzer und Prof. Dr. Maria A. Wimmer von der Universität Koblenz helfen.
Was steckt hinter DiTKo?
Der Begriff „Digitaler Zwilling“ klingt zunächst technisch. Die Idee dahinter ist jedoch einfach:
Informationen über eine Gemeinde werden digital miteinander verknüpft, um Zusammenhänge besser
zu verstehen und unterschiedliche Zukunftsszenarien durchspielen zu können.
Für Kaltenholzhausen bedeutet das ausdrücklich nicht, das Dorf als aufwendiges 3D-Modell
nachzubauen oder überall Sensoren zu installieren.
Vielmehr soll untersucht werden, ob sich auch Fragen rund um Lebensqualität, Begegnung und
Gemeinschaft mit einem solchen Ansatz besser verstehen lassen. Welche Angebote werden
angenommen? Was bringt Menschen zusammen? Welche Rolle spielen Veranstaltungen,
Kommunikation, Vereine und Ehrenamt? Und welche Auswirkungen könnten unterschiedliche
Maßnahmen haben?
Erster Workshop mit der Universität Koblenz
Anfang September kamen dazu das Projektteam der Universität Koblenz und 14 Teilnehmer aus
Kaltenholzhausen zu einem ersten Workshop im Rathaussaal zusammen.
In drei Gruppen wurde diskutiert, welche Themen für die zukünftige Entwicklung des Dorfes
besonders wichtig sind. Obwohl die Gruppen unabhängig voneinander arbeiteten, waren die
Ergebnisse erstaunlich ähnlich: Ein zentraler Treffpunkt, Begegnung und Veranstaltungen,
Kommunikation sowie Ehrenamt und Beteiligung standen ganz oben.
Daraus ergibt sich nun eine mögliche Fragestellung für das Kaltenholzhausener DiTKo-Szenario:
Wie kann rund um DGH, Abenteuer-Spielplatz und Multicourt ein lebendiger Dorfmittelpunkt für
unterschiedliche Generationen entstehen?
Christine Schnatz, 1. Beigeordnete der Ortsgemeinde bringt die Idee auf einen einfachen Punkt:
„Wir schaffen gerade eine sehr gute Infrastruktur für einen neuen Dorfmittelpunkt. Aber Infrastruktur
allein schafft noch keine Gemeinschaft. Entscheidend ist, was die Menschen daraus machen. Genau
diesen Zusammenhang möchten wir mit DiTKo besser verstehen.“
Gerade darin liegt auch eine interessante Forschungsfrage: Gebäude, Flächen oder Umweltdaten
lassen sich relativ einfach erfassen. Begegnung, Beteiligung, Akzeptanz oder ehrenamtliches
Engagement sind wesentlich schwieriger messbar.
„Für uns ist besonders spannend, ob und wie sich solche sozialen Faktoren in einem Digitalen Zwilling
abbilden lassen. Gerade für kleine Gemeinden geht es nicht nur darum, vorhandene Infrastruktur
digital darzustellen, sondern besser zu verstehen, wie sie tatsächlich genutzt wird und welche
Wirkung sie auf das Zusammenleben vor Ort hat. Kaltenholzhausen bietet dafür ein sehr interessantes
Anwendungsszenario“, sagte Dr. Vera Spitzer von der Universität Koblenz.
Wie geht es weiter?
Die Universität wertet nun die Ergebnisse des Workshops aus. Gemeinsam mit der Ortsgemeinde soll
anschließend geklärt werden, welche Zusammenhänge für das Szenario relevant sind und welche
Daten dafür benötigt werden.
Das Forschungsprojekt läuft bis Ende 2028 und soll zeigen, wie auch kleine Kommunen digitale
Werkzeuge nutzen können, um zukünftige Entwicklungen besser zu verstehen und Entscheidungen
fundierter vorzubereiten.
Für Kaltenholzhausen steht dabei eine ganz praktische Frage im Mittelpunkt:
Wie wird aus einem neuen Dorfmittelpunkt ein lebendiger Dorfmittelpunkt?